Am Wochenende lockte der Verdener Flugplatz in Scharnhorst mit Ausflügen in luftige Höhe.

VERÖFFENTLICHT: 31.05.2018| AUTOR: Hayen

 

Am Wochenende lockte der Verdener Flugplatz in Scharnhorst mit Ausflügen in luftige Höhe. Doch der Tag der offenen Tür hatte noch mehr zu bieten.

 

Verden. Zwei Männer in grell leuchtenden Westen stellen sich hinter dem Ortsausgang von Verden-Scharnhorst auf die Straße. Die Distanz zwischen ihnen beträgt rund 100 Meter und kein Auto kommt in diesem Moment durch diese Zone hindurch. Kurz darauf ist nur ein leichtes Zischen zu hören und ein Segelflugzeug gleitet fast lautlos über die Wartenden hinweg. Anders als sonst sitzt heute aber noch ein Gast mit im leichten Gleiter – am Tag der offenen Tür auf dem Flugplatz in Scharnhorst dürfen Besucher neben erfahrenen Piloten Platz nehmen und die Region rund um Verden aus der Vogelperspektive betrachten.

 

Auf der langen ebenerdigen Grasnarbe, die seit der Eröffnung vor über 60 Jahren, nicht verändert wurde, starten im Minutentakt die kleinen Flugzeuge. Insgesamt zehn Flieger sind im Besitz des Verdener Luftfahrt-Vereins. Darunter Ultraleichtflugzeuge, Segelflugzeuge mit und ohne Motor sowie die klassischen motorisierten Modelle. „Der Einstieg in das hobbymäßige Fliegen geht meist über den Segelflieger. Beginnen können Kinder ab 14 Jahre. In Sonderfällen sogar schon früher. Bei den Flugzeugen mit Motor kann zwei Jahre später mit der Ausbildung begonnen werden“, erklärt Vorsitzender Heinrich Kracke. Er kann sich momentan über steigende Mitgliederzahlen und eine gute Auslastung der Flugschulen freuen.

 

Gerade kommt wieder ein Segler zurück von einem Rundkurs und setzt sicher auf der Landebahn auf. Ein Fahrgast steigt mit breitem Grinsen aus dem schmalen Cockpit aus und erzählt seinen Begleitern aufgeregt vom Flug über Verden.

 

„Auf der Route geht es häufig über die Allermündung, den Dom und auf Wunsch natürlich auch über das eigene Haus“, so der Vorsitzende weiter. Bei klarem Himmel und guten Bedingungen ist die Aussicht dann schon sehr besonders, gerade für Neulinge.“ Der Pilot des Segelfliegers freue sich aber auch über die ein oder andere Wolke, denn damit das Flugzeug möglichst lange in der Luft bleiben kann, wird ständig nach Thermik gesucht, also aufsteigenden Winden. Diese seien häufig bei bestimmten Wolken zu finden, also ist ein komplett blauer und klarer Himmel nicht unbedingt ein Vorteil. „Hat er eine Thermik gefunden, fliegt er besonders langsam hindurch, um den Aufwind optimal zu nutzen. Bei Zonen, wo Abwinde sind und der Flugapparat an Höhe verliert, möchte der Pilot möglichst schnell hindurch. Das geht bei einem Segelflieger mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometer pro Stunde“, erklärt Kracke. „Die zurückgelegte Gesamtdistanz ist dabei natürlich immer unterschiedlich.“

 

„Gestern waren es rund 600 Kilometer und das Flugzeug stieg auf eine Flughöhe von über 2000 Meter. Das ist sehr selten. Die Thermik war ziemlich gut“, erzählt Ausbildungsleiter im Segelflug, Daniel Dibbern. „Damit das Flugzeug auch wieder zurückkommt, werden drei Wendepunkte, also eine Art Dreieck, geflogen.“

 

Nach und nach kommen immer mehr Interessierte auf das Gelände in Scharnhorst, die Wolken werden weniger und die Temperaturen steigen kontinuierlich an. Der erste Weg führt meist rein an die Theke, um den Durst zu löschen und bei einem selbst gemachten Stück Kuchen den Flugverkehr zu beobachten. Die größte Menschentraube bildet sich aber schnell vor einem ganz bestimmen Flugzeug. Es ist der Neuzugang in der Sammlung des Flugplatzes. Die neue Viper SD4 RTC, die am jenem Tag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird, ist der Ersatz für die veraltete Cessna 150, die schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Die neue Maschine, eine von nur vier Modellen in der Bundesrepublik, bringt viele Nova mit sich. Ein komplett digitales Cockpit, größere Sicherheitsreserven, deutlich geringerer Spritverbrauch und ein Lärmschutz, der bundesweit Maßstäbe setzt, sprechen für die neue Viper.

 

Doch nicht nur am Tag der offenen Tür ist viel Verkehr. Bei guten Bedingungen ist auf dem Gelände immer viel los. Am Sonnabend und Sonntag, wenn die Mitarbeiter im Tower sitzen, lotsen sie auswärtige Flieger auf den Platz. „Der Verdener Standort ist als Zwischenhalt sehr beliebt. Von hier aus ist man in kürzester Zeit auf Wangerooge. Ein häufiges Ziel von Hobbypiloten, die hier landen und dann am nächsten Morgen zur Insel aufbrechen, um einen der wenigen Landeplätze zu ergattern. Insgesamt zählen wir im Jahr circa 8000 Flugbewegungen“, sagt Kracke.

 

Damit das alles reibungslos funktionieren kann und der Flugplatz zukunftsfähig bleibt, arbeiten auf dem Scharnhorster Fluggelände viele ehrenamtliche Mitarbeiter rund 1000 Stunden im Jahr. Zum Beispiel im Tower oder als Fluglehrer. Verdener Unternehmen und der Landkreis helfen bei der Modernisierung der Anlage und werden den Verein auch bei dem Vorhaben, ein neues Segelflugzeug anzuschaffen, unterstützen.

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