Flugtage und andere Veranstaltungen

Solche Zuschauermassen hatte Scharnhorst nie zuvor gesehen. Der erste Flugtag 1961 setzte Maßstäbe für viele Veranstaltungen.

Es ist natürlich unmöglich, in diesem Rahmen alle 16 Flugtage kontinuierlich aufzuführen. Jedoch lohnt es sich, einige herausragende Darbietungen noch einmal in Erinnerungen zurückzurufen. Seien es Leistungen eines ganzen Teams oder eines einzelnen Piloten, der mit seinen Kunstflügen die Zuschauer den Atem anhalten ließ. Sie alle haben damit dem Verdener Luftfahrt-Verein ein Siegel für die Fähigkeit aufgedrückt, bekannte Flieger-Asse für ihre Flugtage gewinnen zu können.
Das stellte schon der erste Flugtag 1961 unter Beweis, der hier deshalb ausdrücklich erwähnt werden soll. Denn er gab sozusagen den Startschuss für viele weitere Flugtage, deren Niveau man immer zu steigern suchte, was den späteren Organisatoren auch weitgehendstem gelang.  Im „Verkehrsstau“ der Autos dieses ersten Flugtages bewegten sich dazwischen Fußgängermassen in Richtung Flugplatz auf der damals zum Teil noch ungepflasterten Dorfstraße. Das hatte Scharnhorst noch nie erlebt! Die Wetterlage war schlecht; und dennoch: Die Menschen erwartet ein Ereignis, dass sie bis zuletzt aushalten ließ, um das fast ungekürzte Programm zu erleben.
Die Modellflieger eröffneten den Reigen der Vorführungen. An der Schnur oder im freien Flug wirbelten die Modelle durch die Luft. Der Niedersachsenmeister Gast aus Celle wurde mit viel Beifall für die tollen Figuren seines über Funk gesteuerten Modellflugzeugen bedacht. Die Segelflieger führten ein Segelflugzeug aus dem Jahr 1938 vor, worin der Pilot noch mit einem Sturzhelm in der Kanzel saß. Sie konnten angesichts des schlechten Wetters nur ihre Flugzeuge vorführen und eine Platzrunde fliegen, mussten aber auf Kunstflüge verzichten. Zwei Motorflugzeuge des VLV und zwei der Flugsportgruppe Focke-Wulf zeigten Starts und Landungen im Schulbetrieb. Die Heeresflieger aus Roten bewiesen im Start und in der Landung die hervorragenden Flugeigenschaften der DO 27 und führten einen Hubschrauber vom Typ „Alouette“ vor.
Auch Heiterkeit fehlte nicht im Programm. „Professor Kumulus“ dargestellt von Flugkapitän Eisermann, kam in einer uralten Kutsche auf den Flugplatz und suchte nach Pilzen, während ein Flugzeug im Tiefflug über ihn hinwegbrauste und anschließend neben ihm landete. Für diese gestellte, „unglaubliche“ Manöver wurde er laut „zur Rede gestellt“, stieg dann in das inzwischen gelandete Flugzeug, flog davon, „torkelte“ durch die Luft als habe er noch nie am Steuerknüppel gesessen. Den Höhepunkt dieses Tages bildeten die Flugkünste einer Kunstflugstaffel der Luftwaffe aus Diepholz. Hauptmann Lutz und seine drei Piloten zeigten in ihren „Piaggioo“-Maschinen Unglaubliches.
Für diesen ersten Flugtag  des Verdener Luftfahrt-Vereins hatte der damalige Stader Regierungspräsident Miericke, die Schirmherrschaft übernommen. Die Bilanz dieses Tages: Ein voller Erfolg und begeisterte Zuschauer, auch wenn sie auf dem Heimweg trotz guter Verkehrsregelung durch die Polizei arg ins Stocken kamen Die Busse der Verdener Verkehrsgesellschaft waren für die Fußgänger ständig im Einsatz und überfüllt.
Für den Flugtag 1965 hatte der VLV den Bundesjustizminister a.D. Dr. v. Merkatz als Ehrengast eingeladen. Die vielen Zuschauer werden sicher noch der Darbietungen der Kunst-Leistungsflieger vergangener Flugtage erinnern. Hier seien sie teilweise noch einmal erwähnt: Fallschirmabsprünge aus fast 5000 und 100 (!) Meter Höhe, Einzel- und Massenabsprünge, Kunstflüge von Modell-, Segel-, Motor- und Düsenflugzeugen, Hubschrauberakrobatik und Modell- und Großhubschraubern, Kunstflug auf „Acrostar“, Deutschlands modernsten Kunstflugzeug der damaligen Zeit, die Burdastaffel mit Bannerschlepp, Ballonrammen und nicht zuletzt Aufstiege von Heißluftballons. 

Der Flugplatz des Verdener Luftfahrt-Vereines ist nun ein Vierteljahrhundert alt – dieses Ereignis wurde am 1. September 1985 mit einem „Tag der offenen Tür“ begangen. Der damalige 1. Vorsitzende Professor Dr. Rolf Pape begrüßte den Kreis der geladenen Gäste und die Mitglieder des Verdener-Luftfahrt Vereines. Er hielt Rückschau auf das Zustandekommen des Pachtvertrages zwischen dem Landwirt Bodenstab im Westen und den Initiatoren Hans-Heinrich Söhl und Wolfgang Hoffmann in Westen, wobei dem Letztgenannten das Verdienst zuerkannt werden muss, die Vermittlung zustande gebracht und viele Arbeitsstunden bei der Anlage des Flugplatzes eingebracht zu haben. Beide Herren erhielten je einen Zinnteller für ihren Einsatz.
Auch bei diesem Jubiläum konnte der damalige Bürgermeister Dr. Hartmut Friedrichs ein drittes Mal innerhalb von 28 Jahren dem Verdener Luftfahrt-Verein die Glückwünsche der Stadt Verden überbringen, wie es in den Jahren 1957, 1982 geschehen war. Das zu erwähnen halte ich für nötig, da der Verein der Stadt viel zu verdanken hat. Glückwünsche überbrachten ferner die Ortsbürgermeister Hermann Müller (Scharnhorst) und Gerhard Lühning (Walle), sowie die benachbarten Flugvereine Hellwege und Hoya. Der ehemalige Testpilot Flugkapitän Eisermann erinnerte an die gemeinsame Zeit mit der Fluggruppe Vfw. Der Verein registrierte alljährlich viele landende fremde Flugzeuge, für die jedoch keine Landegebühr erhoben wird. Nach einem Umtrunk war die kleine Feier beendet und man konnte sich mit besonderer Aufmerksamkeit dem Geschehen in der Luft über dem Platz widmen. Beachtliche Darbietungen zeigten die Fallschirmspringer des Aero-Clubs Hodenhagen, die vom Publikum mit großer Spannung verfolgt wurden. Der Kunstflieger Frank Gerstenberg, der einst seine fliegerische Ausbildung auf dem Flugplatz in Scharnhorst abschloss und jetzt in Düsseldorf wohnt, zeigte ein ausgefeiltes Kunstflugprogramm. Es war zwar kein Flugtag, sondern „nur“ ein Tag der offenen Tür, von dessen Darbietungen doch jeder, so glaube ich, befriedigt nach Hause ging.

Was fand und findet sonst noch auf dem Flugplatz statt? Viele Tage der offenen Tür mit Vorführungen durch Segel und Motorflugzeuge, die von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Es gab Zwischenlandungen der Teilnehmer an den Deutschlandflügen, den Störtebeker-Sternflügen und an den Flügen der „Braunschweiger Krähen“ mit Adolf Galland, einem der erfolgreichsten Jagdflieger des Zweiten Weltkrieges. Dann fand die Taufe eines Flugzeuges der Bremer Flugsportgruppe Focke Wulf auf den Namen „Pirol“ statt. Im Jahre 1987 fand ein Flugtag mit außergewöhnlichen Programm statt, das an reiner Sensation die vorangegangenen Flugtage bei weitem übertroffen hat. Die britische Staffel „Red Arrows“ übertraf mit ihren grandiosen, aber auch die Nerven strapazierenden Vorführungen und mit dem ungeheuren damit verbundenen Lärm alles in Scharnhorst bisher Dagewesene. Der Gedanke an die möglichen Gefahren kam sicher vielen der Zuschauer und war gar nicht so abwegig, wenn man an das grauenvolle Unglück während des Ramsteiner Flugtages mit einer ähnlichen Staffel zurückdenkt, dass sich wenige Wochen später ereignete.

Auch findet in jedem Jahr, wie schon erwähnt, eine Flug-Rally statt, die über eine Flugstrecke von ca. 150 km über die Umgebung von Verden führt. Dabei sind Aufgaben verschiedenster Art durchzuführen, das heißt also Ziele anfliegen und anhand eines bebilderten Bogens ganz bestimmte von oben erkennen. Auch nach der Landung erwarten den Piloten oftmals noch praktische Aufgaben, die mit dem Flugzeug selbst ausgeführt werden. Nebenbei geht es dann mittels eines Fragebogens ein bisschen an das Allgemeinwissen heran. Natürlich gibt es bei der ganzen Aktion Preise zu gewinnen und das spornt den Ehrgeiz an.

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