Wiedergründung des Luftfahrt-Vereins am 14. November 1950

Trotz der Umbenennung der Segelfluggruppen in „Stürme des NS-Flieger-Korps“ blieb der VLV dem alten Losungswort im Sinne des Rhöngeistes treu: Aus dem Flug-Traum durch Flug-Tat zum Flug-Geist! Der Luftfahrtverein schien vom Glück begünstigt und doch vom Pech verfolgt zu sein. Er war wieder in der Lage, ein weiteres Segelflugzeug anschaffen zu können, andererseits gab bei dessen Taufe auf den Namen „Verden“ Petrus seinen Segen und öffnete unbarmherzig über dem Exerzierplatz beim Lindhoop seine Schleusen.

Vielerorts war in den Segelflugvereinen die Windenstartmethode eingeführt worden, zu der man auch in Verden überging. Das erforderte einen Platzwechsel für die Startbahn. Deshalb verlegte man die Schulung von Nordkampen nach Kirchlinteln. Die Verantwortlichen im Verdener Luftfahrtverein waren sehr auf Sicherheit im Flugbetrieb bedacht. Der Erfolg davon war, dass viele Starts unfallfrei beendet wurden. Durch eine großzügige Spende des Herrn Wegener konnte der VLV erneut ein Segelflugzeug in seinen Besitz bringen. Es war diesmal eines vom Typ „Stormarn“, mit einer neuartigen Konstruktion, für die wegen der Zulassung besonders behördliche Formalitäten erforderlich waren. Das Ergebnis jedoch war, dass mit diesem Flugzeug niemals ein Start hat stattfinden können. Unter großen Schwierigkeiten konnte der Kauf rückgängig gemacht werden.

Dann kam für den jungen aufstrebenden Verein bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges das vorläufige „Aus“. Das Vermögen, das, grob geschätzt, über 6000 Reichsmark betrug und zur damaligen Zeit einen erheblichen Wert darstellte, bestand aus fünf Segelflugzeugen, einem Transportauto, einer Startwinde, einem Transportanhänger und einer gut ausgestatteten Werkstatt, die sich inzwischen auf dem Austmeyerschen Grundstück etabliert hatte. Von diesen Werten blieb dem Verdener Luftfahrtverein fast nichts, bis auf ein einziges Segelflugzeug und einige kleine Dinge. Mit Bitternis und Trauer mussten die noch nicht im Kriegseinsatz befindlichen Segelflieger erleben, wie „zuständige“ Stellen das alles requirierten.

Die Flugzeuge wurden offensichtlich von der Luftwaffe zur vormilitärischen Ausbildung ihrer Piloten in den großen Flugschulen verwendet. Das letzte verbliebende Flugzeug wurde nach Kriegsende 1945 im Zuge der allgemeinen Beschlagnahme von Häusern, Wohnungen und sonstigem Privatvermögen von der Besatzungsmacht oder anderen „befugten“ Stellen konfisziert.

 

Noch war in Deutschland nach Beendigung des zweiten Weltkrieges jeglicher Flugsport verboten. Auch waren noch nicht alle Segelflieger aus Kriegsgefangenschaft und Internierung zurückgekehrt. Dennoch regte sich bei vielen die Alte Flugsehnsucht und trotz allem schwerem, das hinter ihnen lag, die Zuversicht auf einen Neuanfang, die keineswegs durch das Verbot gelähmt wurde. Der junge Friedrich Ach setzte sich über die Kontrollratsbestimmungen hinweg und fand junge Menschen, die am Modellflugsport interessiert waren. Davon hatte natürlich die Militärpolizei Wind bekommen und löste diese kleine harmlose Gruppe auf. Dennoch fand sich bald ein Interessenkreis von Segelfliegern zusammen, der erweitert wurde, nachdem dem deutschen Volk die Versammlungsfreiheit wieder zugestanden worden war.

Diese Interessentengemeinschaft stand unter der Leitung von Friedrich Ach, Manfred Hillert, König und Franz Wagner. Inzwischen war auch Hans-Heinrich Söhl heimgekehrt. Wieder hatte man sich am 14. November 1950 im alten, aber kleiner gewordenen Kreis und mit potentiellen Mitgliedern bei Bruer zusammengefunden. Für den Verein begann ein neuer Abschnitt. Nach der Begrüßung der Versammelten durch Franz Wagner und einem kurzen Gedenken an die Kameraden, die nicht mehr zurückgekehrt waren, wurde Hans-Heinrich Söhl das Wort erteilt. Dieser hielt in einem Referat Rückschau auf die Entwicklung des Verdener Flugsports sowie des VLV. Für die weitere Entwicklung sei es notwendig, streng an einer politischen Neutralität festzuhalten.

Mit diesem Tag wurde die Wiederbegründung des Verdener Luftfahrtvereins vollzogen. Nach dem Rücktritt des Vorstandes der Interessengemeinschaft wurde diese aufgelöst und der Vorstand des VLV mit folgenden Herren neugewählt: 1. Vorsitzender Hans-Heinrich Söhl, zweiter Vorsitzender Franz Wagner, Schriftführer Friedrich Ach, Kassenverwalter Manfred Hillert und Jugendwart Udo-Wolfram Carstein. Der Verein schloss sich dem Luftsportverband Niedersachsen in Hannover an.

Man verband an diesem Abend während der Ausführungen der verschiedenen Redner die Hoffnung auf eine baldige Zulassung des Flugsports durch die Besatzungsmacht. Vorbereitend zur Erfüllung dieser Hoffnung war die Beschaffung einer Werkstatt. Hierfür erwies sich das Angebot eines Hinterhauses von Anna Meyer in der Fischerstraße 21 als geeignet und wurde dankbar angenommen. Aber die Räumlichkeiten bedurften einer vollständigen Renovierung. Hier zeigte sich wieder einmal durch den Arbeitseinsatz der Jugendgruppe und durch den Opfersinn der Mitglieder der alte bewährte Flieger- und Kameradschaftsgeist. Auch die großzügigen Spenden außenstehender Verdener Bürger sollen nicht unerwähnt bleiben. So konnte im Winter 1951/1952 die neue, gut ausgestattete Werkstatt eingeweiht werden.

Im Jahr 1950 wurde auf dem Lönsweg vom ADAC ein Seifenkistenrennen veranstaltet. Hans-Heinrich Söhl schlug anschließend den Teilnehmern vor, ihre Bastelfreude mit dem Bau von Flugmodellen fortzusetzen. Aus der kleinen Gruppe, die sich zunächst in der Söhlschen Buchbinderei zusammenfand, wurde dann die Modellfluggruppe „Allermöven“ gegründet und im Frühjahr 1951 wurden sie eingeladen, an einem Kurzlehrgang für Flugmodellbau teilzunehmen. Schon am 15. Mai 1951 konnten Sie mit ihren Modellen „Max und Moritz“ ein Vergleichsfliegen starten. Allerdings waren diese Modelle noch nichts für eine öffentliche Vorführung, aber dabei zu sein war für die Jungen wichtig und ein großer Ansporn. Das aber besonders, als eine leistungsfähige Modellflieger-Mannschaft aus Walsrode auf der Rennbahn mit ihren Hochstarts und Fesselflugmodell-Vorführungen ihr Können unter Beweis stellte und Anreiz bot. Nach weiteren Lehrgängen wurde der Ehrgeiz angeregt, am 1. Juni 1951 in Hannover an den Niedersächsischen Mondelflug-Meisterschaften teilzunehmen.

„ Noch lange fehlte es dem Verdener Luftfahrt-Verein an Geld. Der Kriegsausbruch hatte dem Verein zu sehr mitgespielt, so dass er wieder vollkommen neu aufbauen musste. Geduld und Opfersinn waren wieder einmal gefragt. Es ging nicht allein um die Beschaffung eines Flugzeuges, sondern auch um Scheinerneuerung und Ausbildung von Flugleitern sowie um die Zulassung eines Fluggeländes. Manche Versuche und Möglichkeiten zu fliegerischer Tätigkeit mit Segelflugzeugen am Verdener Himmel durch hilfsbereite nachbarschaftliche Vereine scheiterte an irgendwelchen misslichen Umständen und die Kasse blieb leer. Einige mehr oder weniger wichtige Ereignisse verdienen es, festgehalten zu werden: Ein Flugtag auf den Allerwiesen gegenüber von Bella Vista mit einer Celler Segelfliegergruppe und ihrer „Gö-Vier“ am 4. Oktober 1952, ein Hubschrauber-Besuch am 10. April 1954, die Betreuung der mit einer „Piper“ notgelandeten Schweizer Gruppe auf der Maulohe. Ferner wurden drei Segelflugbesatzungen begrüßt, die von Minden aus mit „ Grunau Babies“ auf einem Streckenflug bis nach Verden gekommen waren. Im Jahre 1954 wurden die Motorfluggruppe gegründet. Im Frühjahr 1954 konnte Hans-Heinrich Söhl endlich mittels einer persönlichen Bürgschaft für einen Kredit bei der Kreisparkasse Verden ein fabrikneues Segelflugzeug in Burglengenfeld bestellen. Man beabsichtigte, das Flugzeug nach Anlieferung durch das Zweigwerk Unterwölsen, anlässlich der Ausstellung „Zwischen Harz und Heide“ in Verden zu taufen. Dieser so gut ausgedachte Plan musste leider aufgegeben werden. Das große Sommerhochwasser in Süddeutschland machte eine pünktliche Anlieferung unmöglich. Doch mit einem geliehenen „Kranich“ veranstaltete der Verdener Luftfahrtverein am 8. August 1954 auf der Maulohe einen Flugtag und konnte der Verdener Bevölkerung auf der Norderbrücke einen Aufstieg des Freiballons „Ferdinand Eimermacher“ bieten.

Nach langem Warten traf Anfang September der Doppelsitzer „Specht“ aus Unterwössen ein und wurde am 12. September auf dem Hof des Heimatmuseums durch Hans-Heinrich Söhl auf den Namen „Wolkenreiter“ getauft. Diese Namensgebung sollte auch als eine Geste an die Reiterstadt Verden verstanden werden.

Ich freue mich, an dieser Stelle sagen zu können, dass außer der finanziellen Unterstützung von Hans-Heinrich Söhl auch eine spürbare Spendenbereitschaft bei der Bevölkerung, wie Kleinverdienern, Geschäftsleuten, Unternehmern und bei Behörden die Anschaffung des Flugzeuges erst ermöglichte.

Aber noch war es das Fliegerglück nicht vollkommen, weil kein vereinseigenes Fluggelände vorhanden war. Darum konnten die Segelflieger nur auf fremden Flugplätzen Gastrollen spielen. Doch waren sie mit ihrem „Specht“ gern gesehen. Dieser Vogel hatte – vorausgreifend gesagt – bis zum 25-jährigen Bestehen des Flugplatzes 1985 rund 20.000 Start hinter sich gebracht.  

 

In Abständen waren Hoya, Unterstedt, Unterlüß, Rotenburg und zeitweise auch die Allerwiesen in Verden die Startplätze gewesen.

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