Das Jahr 1934

Mit Rutschern und Sprüngen begann die Fliegerei beim VLV

Im Jahre 1934 konnte sich der Luftfahrtverein mit einer Luftfahrt-Ausstellung in den Geschützhallen der Holzmarkt-Kaserne der Öffentlichkeit präsentieren. Einige Jahre später wurden zwei Freiballon-Aufstiege anlässlich der Verdener-Reitertage veranstaltet. Als eine Danziger Flugzeugbesatzung mit einem Rundflug über Deutschland ihre Verbundenheit mit dem Deutscehn Vaterland bekunden wollte, bereitete der Verdener Luftfahrt-Verein den Gästen aus dem seit 1918 abgetrennten Danzig einen herzlichen Empfang. Ein Flugtag in den 30er Jahren bot der Verdener Bevölkerung erstmals den Fallschirmabsprung einer Frau. Auch der bekannte Kunstflieger Emil Kropf begeisterte mit seinen „Kapriolen“ eine große Zuschauermenge. Doch wieder waren es Regenwetter und auch andere missliche Umstände, wodurch die Kasse nicht gerade mit Überschuss abschließen konnte. Aber die Segelflieger hatten wohlweislich eine Regenversicherung abgeschlossen, die dann auch entsprechend zahlte, so dass der Verein das neue, beim Flugtag getaufte Flugzeug bezahlen konnte. Inzwischen war vor einiger Zeit die Reichswehr in die neue Wehrmacht übergegangen, so dass damit der Segelfluglehrer Willi Kunze als damaliger Gefreiter der Reichswehr zur Luftwaffe versetzt wurde. So erwarb Hans-Heinrich Söhl ebenfalls die Fluglehrerausweise, während die Vereinsleitung auf Lothar von Hugo überging. Franz Wagner schulte die Seniorengruppe und Hans-Heinrich Söhl konnte sich der Jugend annehmen; auch war noch Willi Stegmann als Segelfluglehrer anerkannt worden. Mit den drei Segelfluglehrern begann ein reger Flugbetrieb. Damals galt noch die Gummiseil-Startmethode: Zehn Segelflieger spannten das Seil, mit dem bei dem Kommando „los“ das Segelflugzeug von einer Anhöhe in die Luft geschleudert wurde. Trotz des mühevollen Arbeitsaufwandes – denn das Flugzeug musste ja immer wieder zur Anhöhe für weitere „Flüge“ hinaufgeschleppt werden -, der geringen erreichbaren Höhe und der nur Sekunden dauernden „Flüge“ war jedes Mal die Freude über diese Sprünge groß.

Bei der Einsitzer-Schulmethode hatte der Fluglehrer immer daumendrückend die Hoffnung, dass seine Anweisung vom Flugschüler genau befolgt würden, denn in der Luft war kein Eingreifen mehr möglich. Trotzdem kam es vor, dass bei einer mehr oder weniger harten Landung der Gleiter beschädigt wurde, so dass mit vielen Arbeitsstunden dieser wieder flugtauglich gemacht werden musste. Der Flugschüler begann zunächst mit „Rutschen“ auf dem Erdboden, wobei das Flugzeug von einer Hilfsmannschaft gerade gehalten wurde. Dann folgten „Sprünge“ bis auf fünf bis 20 Meter Höhe. Dabei eine leichte Kurve fliegen zu dürfen, war natürlich schon etwas Besonderes. Zu diesem Vergnügen und der damit verbundenen Arbeit fuhr man jeden Sonntag mit dem Fahrrad zum Ebersberg. Für die weitere Ausbildung musste die Schulung jedoch in die Berge verlegt werden. Dafür war zum Beispiel die Wasserkuppe in der Rhön das beliebteste Ziel.

An die Zeit der Gummiseilstarts erinnert heute noch ein beliebter Brauch: Der „Start“ für eine Runde Bier mit den in jener Zeit angewandten Kommandos: Ausziehen, laufen los!

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