Notlandungen auf der Maulohe während des 1. Weltkrieges

Hin und wieder kam es in den Kriegsjahren vor, dass ein Flugzeug über Verden seine Bahnen zog. Mehrere Notlandungen auf der Maulohe nahmen die Verdener Bürger und vor allem die Jugend zum Anlass, ein Flugzeug aus der Nähe zu inspizieren; dass dabei unter anderem Richard Steffen und auch Hans-Heinrich Söhl diese Gelegenheit nicht ausließen, versteht sich von selbst. Meistens waren es damals LVG-Doppeldecker, die auf der Maulohe oder auf Äckern bei Borstel und Kirchhlinteln notlandeten. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte vorerst jegliche öffentlichen Veranstaltungen im fliegerischen Bereich unmöglich gemacht.

Ein besonderes Ereignis fliegerischer Tätigkeit war dann ein Vierteljahr nach Kriegsende, Anfang Februar 1919, der Einsatz von Flugzeugen von der Maulohe aus, als Bremen vom Freikorps Gerstenberg entsetzt werden sollte, um dort die Herrschaft der Räterepublik niederzuschlagen. Zu der Zeit war noch nicht alles Kriegsmaterial an die Siegermächte ausgeliefert, so dass einige Piloten der damaligen deutschen Fliegertruppe, die zur Wartung der Maschinen noch im militärischen Dienst standen, auf der Maulohe landeten. Es herrschte eisige Kälte, als am Morgen des Einsatztages die Propeller angeworfen werden sollten. Anlasser gab es noch nicht. Die kriegserfahrenen Piloten ließen mitten zwischen den Flugzeugen brennbares Material zusammentragen, reichlich Benzin ausschütten und mächtige Feuer entzünden, um die Motoren durch äußere Hitzeeinwirkung vorzuwärmen. Alle Zuschauer befürchteten, die Flugzeuge würden vom Feuer erfasst werden; die Aktion hatte aber Erfolg; die Flugzeuge starteten dann im Laufe des Vormittags, um über Bremen Flugblätter und Plakate abzuwerfen.

Dann kam die Zeit, dass in Deutschland kein Flugzeug gebaut und kein Deutscher am Steuerknüppel fliegen durfte. Obwohl es in Verden kein Werk gab, das sich mit Flugzeugen befasste, war auch bei der hiesigen Bevölkerung die Sorge groß darüber, dass sich die Siegermächte durch dieses Verbot einen gewaltigen Vorsprung in der Verkehrsfliegerei schaffen könnten.

Gegen Ende der 20er Jahre, als die Folgebestimmungen aus dem Versailler Diktat gelockert wurden, konnten wiederum Verdener Interessenten Bremer Piloten veranlassen, in Verden einen Flugtag zu veranstalten und Passagierflüge durchzuführen. Auch jetzt waren Tausende von Zuschauern erschienen, denn der Krieg hatte dem Interesse an der Fliegerei keinen Abbruch getan. Ohne Unfälle schien dieser Tag zu verlaufen, doch als zwei Fluggäste mit einer enormen Körperfülle das Flugzeug bestiegen, und diese Kurs Richtung Aller genommen hatte, gewann es nicht weiter an Höhe, sondern musste notlanden und erreichte gerade noch glücklich das andere Alllerufer, so dass den Fluggästen ein Bad in der Aller erspart blieb.

 

Im Oktober 1931 erlebte Verden wieder einen Ballonaufstieg. Als Besatzung fuhren damals mit: Dr. Zetel aus Bremen, Dr. Otto Söhl und Hans Heinrich Söhl, der zu diesem Aufstieg extra aus Leipzig angereist war.

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