Erster Verdener Flugtag am 12. April 1912

Das Interesse an der Fliegerei war übrigens schon im Frühjahr 1912 durch einen „Flugtag“ in Verden „geschnürt“ worden, den ein Organisations-Komitee vorbereitet hatte. Diesem Komitee gehörten an der Automechaniker Max Tell, der Fahrradhändler Hermann Leonhard und Richard Steffens.

Für den Grade-Eindecker, der auf dem Landweg (!) schon zwei Tage vor dem Ereignis in Verden eintraf, war auf der Maulohe ein großes Zelt errichtet worden, Dieser Flugtag am 28. April 1912 hatte einen Massenbesuch aufzuweisen. Sowohl Erwachsene als auch viele Schulen nutzen die Gelegenheit, eine „Flugmaschine“ zu besichtigen und einen Vortrag von Gustav Tweer aus Osnabrück, dem Piloten, zu hören. Während der Besichtigung wurde auch mehrmals der 40-PS-Motor angelassen, so dass sich jeder überzeugen konnte, wie ungemütlich ein Flug für den Piloten durch den Propellerwind war, denn sein Platz war lediglich eine“ Hängematte“ unter dem Rumpf, der aus einer Bambusstange bestand. Pech verfolgte die Veranstalter des Flugtages in mehrfacher Hinsicht.

Einmal geriet ein Stück Zeltleinwand in die laufende Luftschraube, die dabei zersplitterte. (Diese Reliquie aus der Verdener Fliegergeschichte ist mitsamt Propeller und Sturzhelm von Gustav Tweer im Verdener Heimatmuseum ausgestellt). Glücklicherweise konnte Hermann Leonhard eilends aus Hamburg einen Ersatzpropeller holen. Dann reichte das von Tweer mitgebrachte Spezialbenzin nicht aus, aber auch das konnte noch rechtzeitig beschafft werden. Und schließlich enttäuschte Tweer selbst die vielen tausend Besucher, die von nah und fern herbeigeströmt waren, um seine Flugvorführungen zu erleben.

Stunde um Stunde verging – der Pilot startete nicht. Frierend und zittern – es war ein kühler Tag mit mäßigem Wind – harrten die Massen aus, während die Artillerie-Kappele auf der Maulohe konzertierte. Bereits um 18 Uhr räumten insbesondere die auswärtigen Gäste den Platz; ihnen folgte um 19 Uhr die Artillerie-Kapelle. Die Unentschwegten wurden erst nach einer Stunde belohnt, denn gegen 20 Uhr ermunterte sich Tweer, endlich zu starten, weil sich inzwischen der Wind gelegt hatte. Man erzählte sich, seine ängstliche Braut habe ihn eindringlich gebeten: „Gustav, steig nicht auf, es ist zu windig!“ – Der „Riesenvogel“ entschwebte über die Aller nach Klein Hutbergen, zog eine Schleife und kam nach 16 Minuten aus Richtung Wahnebergen über die Stadt Verden zurück. Auf seinem Flug erreichte Tweer die für damalige Zeit erstaunliche Höhe von 400 Metern.

 

Das nächste Ereignis am Verdener Himmel war dann eine Schleifenfahrt des Luftschiffes „Hansa“, die durch eine Aktion des Verdener Anzeigeblattes zustande gekommen war. Die Verleger Friedrich und Heinrich Söhl hatten zur Zeichnung von Spenden aufgerufen, um den Verdenern den Anblick eines „majestätischen Luftkreuzers“ zu ermöglichen. Die Luftschifffahrts-Gesellschaft hatte den Betrag von 500 Mark gefordert. Da in kürzester Zeit diese Summe eingezahlt worden war, konnte am 22. September 1912 die „Hansa“ von einer unübersehbaren Menschenmenge jubelnd begrüßt werden. Auf dem Mühlenberg, auf dem Maulhoop, auf dem Burgberg, vor allem aber zwischen den Brücken über Alte Aller und Stomaler und auf der Bleiche hatten sich Tausende von Menschen eingefunden.

 

Das Luftschiff kam zur vorgesehenen Zeit aus Minden unter Führung von Dipl.-Ing. Dürr, umrundete die Stadt und ging über den Allerwiesen auf etwa 50 Meter herunter, wobei Postsachen abgeworfen wurden. Die Luftschiffpost war in Beuteln mit rotweißen Wimpeln kenntlich gemacht und fiel zum Teil auf die Wiesen, doch ein Beutel war in die Alte Aller gefallen. Einer jener Verdener Bürger, die standesgemäß im Cutaway erschienen waren, zögerte nicht, in diesem offiziellen Dreß schwimmend die Luftpost zu bergen.

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